Geschichte des Hotels

Geschichte des Hotels

Wäre die Geschichte anders verlaufen, hätte unser Haus gute Chancen gehabt, zu einem „Haus der Weltveränderer“ zu werden. Aber vielleicht ist genau das ja passiert, nur haben es zu wenige Menschen gemerkt?

Der Namensgeber des Hotels „Graf Pückler“


Was denken Sie, wenn Sie den Begriff „Pückler“ hören? Die meisten Menschen denken wohl an das Fürst-Pückler-Eis und Bierkenner an das Pücklerbier des Cottbuser Brauhauses. Der Pücklerpark in Bad Muskau ist ein Geheimtipp für Touristen in dem einzigen schlesischen Gebiet, das noch zu Deutschland gehört. Unser Hotel und unser Graf haben damit nur sehr am Rande zu tun.
Während die große Pücklerfamilie aus Fürsten und Grafen aus Menschen bestand, die sich über die damaligen gesellschaftlichen Konventionen hinwegsetzten und vielen Menschen als faszinierende Zeitgenossen galten, entschied sich unser Graf Pückler, nachdem er diese Phase bereits durchlebt hatte, eine ganz andere Richtung einzuschlagen. Während die meisten seiner weitläufig Verwandten eine Welt ohne Gott in der Hoffnung auf eine damit verbundene vermeintliche Freiheit als ihr Lebensziel ansahen, stammte Eduard Graf von Pückler aus einer Familie, die ihre wahre Freiheit im Glauben an Gott gefunden hatte.


Graf Pückler, der wohlbehütet in Muskau bei Görlitz gemeinsam mit zwei Brüdern und einer Schwester aufwuchs, wurde vom 13. Lebensjahr an der Ritterakademie in Liegnitz erzogen, wo er größten Anteil an allen damaligen Kriegsereignissen nahm und – zu einer Zeit, wo es noch kein vereinigtes Deutschland gab – zu einem glühenden Verfechter eines geeinten, deutschen Vaterlandes erzogen.


Mehr noch als die Politik interessierte er sich für das Recht und für soziale Entwicklungen der Menschen in Preußen. Als er ein Hochschulstudium zum Gerichtsassessor absolvierte, kam er auch nach Berlin und sah das Elend der Arbeiter, die in der aufstrebenden Industriestadt ihr Glück versuchten. Aber Arbeiter wurden hier schnell zu Arbeitslosen und Kaltmamsells nicht selten zu Prostituierten. Es gab zu wenig Quartiere, trotz der Mietskasernen, in denen Arbeiterfamilien auf kleinstem Raum mit wenig Licht hausten. Die typischen Berliner Mietshäuser waren bis zu fünf Stockwerke hoch und bestanden aus Vorderhaus, Seitenflügeln und einem oder mehreren Quergebäuden, dass sich bis zu 8 Innenhöfe ergaben. Es war normal, dass eine ganze Familie in nur einem Zimmer hauste, das gleichzeitig auch Küche und Schlafzimmer war. 


Weil viele Arbeiter keine Unterkunft hatten, konnten sie „für’n Groschen über ’ner Schnur“ schlafen. Das heißt: In einer Kneipe wurde ein Seil von einer Ecke zur anderen gespannt und man konnte seinen Oberkörper über  das Seil legen und schlafen – für 10 Pfennige.


Menschenhandel gab es auch damals schon. Junge Mädchen vom Land, die in der Stadt einen Job suchten, wurden am Anhalter oder am Hamburger Bahnhof von Männern abgefangen, die ihnen eine gute Arbeit versprachen. Ehe sie sich’s versahen, waren sie in einem Bordell gefangen und wurden nicht selten in andere Städte weiterverkauft, besonders, wenn man nach einiger Zeit merkte, dass keine Verwandten das Mädchen vermissten.


Das ganze Treiben in Berlin um 1880 herum war sogar im Vergleich zu heutigen Verhältnissen schrecklich. Trotz des wirtschaftlichen Boomes bettelten Menschen. Kinder litten unter Diphtherie, wogegen es noch kein Mittel gab. Viele Erwachsene konnten nicht arbeiten, weil fast jeder Zweite unter Tuberkulose litt. Gerade in der Stadt mit ihrer schlechten Luft und ihren unzureichenden hygienischen Einrichtungen gab es viele solcher Krankheiten, die sich oft zu Epidemien entwickelten. Wegen des überlasteten Be- und Entwässerungssystems traten häufig auch Ruhr und Typhus auf.

Zeiten der Veränderungen


Graf Pückler sah diese Misere, als er mit seinen Freunden durch den Wedding ging. Einer dieser Freunde war der Württemberger Friedrich von Schlümbach, der 1868 eine Bekehrung zu Gott erlebt hatte und 1882 Mitbegründer des „Christlichen Vereins Junger Menschen“ (CVJM) werden sollte, der heute rund 330.000 eingetragene Mitglieder hat. Der andere Freund war Curt von Knobelsdorff, ein ehemaliger Trinker, der 1888 das „Blaue Kreuz Deutschland“ gründen würde, das unter dem Leitwort „Evangelium und Abstinenz – mit Jesus und ohne Alkohol“ bis zum heutigen Tag jährlich 20.000 Menschen in 1200 Selbsthilfegruppen betreut und ihnen hilft, von ihrer Alkoholsucht loszukommen.


Schlümbach, Knobelsdorff und Pückler hatten Eines gemeinsam: Ihnen war Jesus Christus, der Sohn Gottes, konkurrenzlos wichtig geworden und ihnen war es wichtig, so zu leben, wie sie meinten, dass es in den Augen Gottes richtig war. Und sie selbst hatten Augen für das Elend und für die Sorgen der Menschen. Diese drei Christen wollten zunächst in einem geografisch begrenzten Gebiet etwas tun, damit die Welt besser wird. Und Graf Pückler und seine Helfer kümmerten sich zunächst um die Arbeiter und um die jungen Frauen, die in Berlin gestrandet waren.


Pückler fing damit an, Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen. Aus dieser Zeit stammt der Begriff „Schrippenkirche“. Bald merkte er aber, dass Schrippen den Magen nur kurzzeitig füllen und dass die Menschen etwas Nachhaltigeres brauchten.


Pückler lernte einen Prediger kennen, einen Deutsch-Amerikaner, der gerade auf Heimatbesuch war. Er konnte diesen Mann für seine Sache interessieren und mietete eine Kneipe am Sonntagnachmittag. Es kamen so viele Menschen zu den Veranstaltungen, dass Pückler eine Trinkhalle mieten musste. Bald mussten zwei, dann drei Gottesdienste sonntags veranstaltet werden, denn es kamen immer mehr Menschen. Graf Pückler kaufte schließlich, auch mit Hilfe des Kaiser Wilhelms II. und seiner Gemahlin Kaiserin Auguste Viktorias, die ihn aus ihrer Privatschatulle unterstützten, das Grundstück Schönwalder Straße 21 und baute im Hof einen Gemeindesaal für mehr als 1500 Menschen.


Das, was jetzt noch als Gemeindesaal übrig ist, ist der damalige Vorraum. Der eigentliche Gottesdienstsaal fiel den Bomben des 2. Weltkrieges zum Opfer.


Gründung der Landeskirchlichen Gemeinschaften


Überall in Berlin, nahezu in jedem Bezirk, wurden St.-Michaels-Gemeinschaften gegründet, die Gottesdienste und Bibelstunden veranstalteten. Ganz bewusst wählte man nicht den Weg, eine neue Kirche zu gründen, sondern man wollte vielmehr die Amtskirche in ihrer Seelsorge um die Menschen unterstützen. Die Gemeinschaften St. Michael wurden eine Art „Freikirche“, jedoch innerhalb und nicht außerhalb der Landeskirchen. Das heißt: Man hatte die gleichen Grundlagen, größtenteils das gleiche Liedgut und die gleichen Prinzipien wie die Langeskirche. Abgesehen davon gingen die St.-Michaels-Gemeinschaften als sogenannte „Landeskirchliche Gemeinschaften“ ihren eigenen Weg.


Das Alleinstellungsmerkmal dieser Gemeinschaften war, dass man dort nicht durch Geburt Mitglied wurde, sondern erst, nachdem man eine bewusste Zuwendung zu Gott getan und seine Mitgliedschaft als Erwachsener erklärt hatte. Die Bewegung ging weiter, weit über Berlin und Brandenburg hinaus nach Pommern, Schlesien, Mecklenburg und Ostpreußen.


St. Michael war und ist eine Laien-Bewegung, denn die Gemeinschaften werden in der Regel nicht von Theologen; vielmehr sind die Leiter der Gemeinschaften, Vereine und Arbeitsgruppen Menschen, die in einem weltlichen Beruf stehen und ihren Dienst in St. Michael ehrenamtlich versehen.


Es gab also Dutzende von Gemeinschaften und nur wenig theologisches Wissen bei den teilweise noch recht jungen Leitern. Das konnte nicht so bleiben. So entschied Graf Pückler, in der Schönwalder Straße ein Hospiz zu bauen, in das Gemeindeleiter von überall in Deutschland zur Schulung kommen sollten, damit sie geistlich gestärkt wieder zurückgehen und ihren Gemeinden dienen konnten. Dieses „Pückler-Hospiz“ ist heute das Hotel Graf Pückler.


Graf Pücklers Nachfolger in schwieriger Zeit


Graf Pückler starb 1924 nach einem sehr erfüllten Leben. Einer seiner Nachfolger wurde ein sehr begabter Prediger des Evangeliums, Pfarrer Jakubski. Etwa ein Jahrzehnt führte dieser Mann St. Michael und konsolidierte die Arbeit. Nach der Machtergreifung Hitlers, die von Pfarrer Jakubski begrüßt wurde, da er und seine Familie nach dem 1. Weltkrieg seine Heimat im nun polnisch gewordenen Gebiet verlassen musste und als evangelischer Pfarrer monatelang ohne Anklage in Haft genommen und misshandelt worden war, fielen aus unterschiedlichen Gründen viele Christen auf das „neue Deutschland“ herein. St. Michael wurde ein Teil der Bewegung der sogenannten „Deutschen Christen“. Ein Fehler, der unsere Gemeinschaft noch Jahrzehnte später beschäftigen sollte.


Viele Christen sahen diese Entwicklung kritisch. Aber es war noch nicht die Mehrheit. Pfarrer Jakubski starb 1940 plötzlich und unerwartet und die Mutigen in der Gemeinschaft St. Michael erhielten wieder die Kontrolle über die verbliebenen Arbeiten, die noch von dem damaligen Regime gestattet wurden (die Jugendarbeit war von der NSDAP vollständig aufgelöst und übernommen worden, Kinderstunden waren nur noch in privaten Bereichen möglich).


Für St. Michael war diese glückliche Wende in der Leitung leider schon zu spät: Eine Fliegerbombe zerstörte den großen Gemeindesaal, der vollständig ausbrannte. Und eine weitere Bombe fiel in das Vorderhaus. Das Hospiz blieb, obwohl teilweise beschädigt, intakt.


Das Grundstück, das sich bis zur U-Bahnstation Reinickendorfer Straße und bis zur Panke erstreckt hatte, musste nach dem Krieg größtenteils veräußert werden, damit Geld für die Renovierung des Vorderhauses und für das Hotel zusammen kommen konnte. Auch der Gemeindesaal wurde wieder hergerichtet, allerdings diente nunmehr der ehemalige Vorraum als Gottesdienstraum für maximal 150 Besucher. Das genügte auch vorerst, denn die Gemeinde war durch den Krieg stark ausgedünnt worden. Die meisten leitenden Brüder waren im Krieg gefallen und ein großer Teil der verbliebenen Arbeiten wurden von deren Witwen oder von ledigen Frauen geleitet. Das war für St. Michael aber keine besondere Sache, denn Frauen spielten von Anfang an auch in der Leitung stets eine Rolle, da unsere Mitglieder durch das Studium der Bibel erkannt hatten, dass Gott beiden Geschlechtern gleich gute geistliche und organisatorische Fähigkeiten geschenkt hat und dass Menschen ungeachtet ihres Geschlechts ein Segen für andere Menschen sein können.


Da die meisten St.-Michaels-Gemeinschaften im Gebiet der „Sowjetzone“ sowie in dem Teil Deutschlands lagen, die nun unter „polnischer Verwaltung“ standen, wurden die Gemeinschaften im deutschen Teil aufgefordert, sich anderen Bünden anzuschließen, da der sowjetischen Besatzungsmacht „St. Michael“ ein Dorn im Auge war. Die nun in Polen liegenden Gemeinden wurden geschlossen oder polnischen evangelischen Freikirchen überlassen. Über Letzteres sind wir von St. Michael hocherfreut.


St. Michael und das Hotel Graf Pückler heute


Der Schwerpunkt unseres gemeinnützigen Dienstes ist nunmehr die Frage, wie heutzutage Menschen am besten das Evangelium von Jesus Christus kennenlernen können. Hierzu haben wir eine Arbeitsgemeinschaft mit dem internationalen Missionswerk „Jugend mit einer Mission“ (YWAM) gegründet, das sein Hauptquartier für Berlin und Umgebung auf unserem Grundstück errichtet hat.

Unser Verein selbst unterhält eine missionarisch-diakonische Arbeit in Jerewan, der Hauptstadt Armeniens, dem ersten Land, welches das Christentum als Staatsreligion annahm, und trotzdem, wie alle Länder und alle Menschen das Evangelium braucht. 


Außerdem ist St. Michael die Organisation, die ab 2020 jedes Jahr den „Graf-Pückler-Preis“ für besonders gute Ideen für die Verbreitung des Evangeliums vergibt.


Damit es den von uns unterstützten ausländischen Mitarbeitern der gemeinnützigen Arbeiten sowie auch Mitarbeitern im Hotel mit Migrationshintergrund leichter fällt, unsere Sprache zu lernen, bietet unser Verein einen selbst organisierten Deutschkurs an, wo sie durch eine fachkundige Lehrerin unsere Sprache lernen können.

Auch die Arbeit von http://www.oteripedia.de, einem Geschichtsportal aus christlicher Sicht, das seit Jahren im Werden ist, gehört heute zu der Arbeit von St. Michael.


Unser Hotel Graf Pückler ist der Hauptsponsor all dieser Arbeiten. Und jeder Gast, der zu uns kommt, kann Gottes Wort lesen und auch – wenn er es wünscht – mit nach Hause nehmen. In jedem Nachttisch sollte ein Gast – wie in jedem ordentlichen Hotel – ein dreisprachiges Neues Testament (in deutsch, englisch und französisch) finden. Auch in anderen Sprachen halten wir für Interessierte ein Neues Testament bereit. Wenn eine bestimmte Sprache doch nicht am Lager ist, senden wir es Ihnen gern völlig kostenlos zu. Schreiben Sie uns bitte unter direktion@netteshotel.de unter Angabe der gewünschten Sprache.


Wasser des Lebens


Unser Hotel befindet sich im Unter-Ortsteil von Berlin-Mitte-Wedding-Gesundbrunnen. Hier gab es eine Quelle, an der auch der Große Kurfürst sich labte. Als Graf Pückler diesen Platz in der heutigen Schönwalder Straße erwarb, hatte er auch die Geschichte von Jesus auf dem Herzen, der versprach, seinen Nachfolgern ein Wasser zu geben, das so nachhaltig wirken sollte, sodass es sie nie wieder dürsten sollte, nämlich das „Wasser des ewigen Lebens“. 
Jeder Mensch sollte die Gelegenheit ergreifen, Jesus kennenzulernen. Die Geschichte mit dem biblischen „Gesundbrunnen“ können Sie im Neuen Testament im Johannesevangelium, Kapitel 4, nachlesen oder im Internet unter https://www.youtube.com/watch?v=pz4BFC1L9Yg als Film anschauen. Der Film dauert weniger als acht Minuten. Glauben Sie mir, es lohnt sich, da mal reinzuschauen.


Obwohl unser Hotel Graf Pückler einem christlichen Verein gehört, ist es doch ein vollkommen „normales“ Hotel. Wir hoffen und beten allerdings dafür, dass Sie bei Ihrem Aufenthalt in der Hauptstadt einen besonderen Segen Gottes erfahren und einen guten und erfolgreichen Aufenthalt haben werden.



Ihr Hellmut Hentschel

Vorsitzender des Geschäftsführenden Vereins der Christlichen Gemeinschaften St. Michael zu Berlin e.V. (CEO)



P.S. Wenn Sie mehr über unsere Geschichte lesen möchten und viel Zeit haben, dann lade ich Sie ein, unsere Geschichte der Christlichen Gemeinschaften St. Michael im Internet zu lesen. Unter der Adresse direktion@netteshotel.de versuche ich auch gern alle Ihre Fragen zu beantworten.