Geschichte des Hotels

Geschichte des Hotels

Wäre die Geschichte anders verlaufen, hätte unser Haus gute Chancen gehabt, zu einem „Haus der Weltveränderer“ zu werden. Aber vielleicht ist genau das ja passiert, nur haben es zu wenige Menschen gemerkt?

Der Namensgeber des Hotels: Eduard Graf von Pückler

Was denken Sie, wenn Sie den Begriff „Pückler“ hören? Die meisten Menschen denken wohl an das Fürst-Pückler-Eis und Bierkenner an das Pücklerbier des Cottbuser Brauhauses. Der Pücklerpark in Bad Muskau ist ein Geheimtipp für Touristen in dem einzigen schlesischen Gebiet, das noch zu Deutschland gehört. Unser Hotel und unser Graf haben damit aber nur sehr am Rande zu tun.


Die große Pücklerfamilie bestand aus Fürsten und Grafen, die sich nicht selten über die damaligen gesellschaftlichen Konventionen hinwegsetzten und galten vielen Menschen als faszinierende Zeitgenossen. Eduard Graf von Pückler stammte aus einem Zweig dieser Familie, die ihre wahre Freiheit im Glauben an Gott gefunden hatte. 


Eduard Graf von Pückler wurde am 13. September 1853 in Rogau bei Breslau geboren und wuchs gemeinsam mit zwei Brüdern und einer Schwester wohlbehütet in Muskau bei Görlitz auf. 
Vom 13. Lebensjahr an besuchte er standesgemäß die Ritterakademie in Liegnitz, die Adlige auf ein Universitätsstudium vorbereiten sollte. Dort nahm er größten Anteil an allen damaligen Kriegsereignissen und wurde – zu einer Zeit, als es noch kein vereinigtes Deutschland gab – zu einem glühenden Verfechter eines geeinten, deutschen Vaterlandes erzogen.

Aber mehr noch als für Politik interessierte er sich für das Recht und für die soziale Entwicklung der Menschen in Mitteldeutschland.


Als er ein Hochschulstudium zum Gerichtsassessor absolvierte, kam er auch nach Berlin und sah das Elend der Arbeiter, die in der aufstrebenden Industriestadt ihr Glück versuchten. Aber Arbeiter wurden hier schnell zu Arbeitslosen und Kaltmamsells nicht selten zu ledigen Müttern. Es gab zu wenig Quartiere, trotz der Mietskasernen, in denen Arbeiterfamilien auf kleinstem Raum mit wenig Licht hausten. Die typischen Berliner Mietshäuser waren bis zu fünf Stockwerke hoch und bestanden aus Vorderhaus, Seitenflügeln und einem oder mehreren Quergebäuden, so dass sich bis zu acht Innenhöfe ergaben. Es war nicht ungewöhnlich, dass eine ganze Familie in nur einem Zimmer hauste, das gleichzeitig auch Küche und Schlafzimmer war. 


Weil viele Arbeiter keine Unterkunft hatten, konnten sie „für’n Jroschen über ’ner Schnur“ schlafen. Das heißt: In einer Kneipe wurde ein Seil von einer Ecke zur anderen gespannt und man konnte seinen Oberkörper über das Seil legen und schlafen – für 10 Pfennige.


Menschenhandel gab es auch damals schon. Junge Mädchen vom Land, die in der Stadt einen Job suchten, wurden am Anhalter oder am Hamburger Bahnhof von Männern abgefangen, die ihnen eine gute Arbeit versprachen. Ehe sie sich’s versahen, waren sie in einem Bordell gefangen und wurden nicht selten in andere Städte weiterverkauft, besonders, wenn man nach einiger Zeit merkte, dass keine Verwandten das Mädchen vermissten.


Das ganze Treiben in Berlin um 1880 herum war schrecklich. Trotz des wirtschaftlichen Boomes bettelten Menschen. Kinder litten unter Diphtherie, wogegen es noch kein Mittel gab. Viele Erwachsene litten unter Tuberkulose und gerieten dadurch in Arbeitslosigkeit und Armut. Gerade in der Stadt mit ihrer schlechten Luft und ihren unzureichenden hygienischen Einrichtungen gab es viele solcher Krankheiten, die sich oft zu Epidemien entwickelten. Wegen des überlasteten Be- und Entwässerungssystems traten häufig auch Ruhr und Typhus auf.

Zeiten der Veränderungen


In Berlin lernte Graf Pückler Curt von Knobelsdorff kennen, der ein ehemaliger Trinker war und 1888 das „Blaue Kreuz Deutschland“ gründen würde, das unter dem Leitwort „Evangelium und Abstinenz – mit Jesus und ohne Alkohol“ bis zum heutigen Tag jährlich 20.000 Menschen in 1200 Selbsthilfegruppen betreut und ihnen hilft, von ihrer Alkoholsucht loszukommen. 


Ein weiterer Freund wurde ihm der Württemberger Friedrich von Schlümbach, der nach Amerika ausgewandert war und nun als deutsch-amerikanischer Prediger auf Heimatbesuch war. Dieser hatte 1868 eine Bekehrung zu Gott erlebt und sollte 1882 Mitbegründer des „Christlichen Verein Junger Menschen“ (CVJM) werden, der heute rund 330.000 eingetragene Mitglieder hat.


Während die drei Freunde durch den Wedding gingen, rührten die Menschen, die in diesen Berliner Verhältnissen lebten, ihr Herz an.


Schlümbach, Knobelsdorff und Pückler hatten Eines gemeinsam: Ihnen war Jesus Christus, der Sohn Gottes, konkurrenzlos wichtig geworden und es war ihnen wichtig, nach Gottes Plan zu leben und die Welt durch seine Augen zu sehen. Sie begannen zunächst den Menschen in der unmittelbaren Umgebung zu helfen, die Hilfe brauchten: und zwar den Arbeitern und den jungen Frauen, die in Berlin gestrandet waren.

Graf Pückler fing damit an, Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen, denn an dieser Stelle begann die Not der armen Bevölkerung. Es sprach sich herum und bald schon etablierte sich der Begriff „Schrippenkirche“ für Pücklers Versorgungsidee. Praktische Hilfe war das Eine, aber der Graf bemerkte schon bald, dass die Menschen sich auch nach etwas Nachhaltigerem sehnten.


Graf Pückler mietete eine Kneipe für den Sonntagnachmittag, aber es kamen so viele Menschen zu den Veranstaltungen, dass Pückler bald eine Trinkhalle mieten musste. Schließlich mussten sonntags zwei, dann drei Gottesdienste veranstaltet werden, denn es kamen immer mehr Menschen.


Graf Pückler kaufte schließlich, auch mit Hilfe des Kaiser Wilhelms II. und seiner Gemahlin Kaiserin Auguste Viktorias, die ihn aus ihrer Privatschatulle unterstützten, das Grundstück am Wedding, in der heutigen Schönwalder Straße 21, und baute im Hof einen Gemeindesaal für mehr als 1500 Menschen.


Gründung der Landeskirchlichen Gemeinschaften


Zurück zur Jahrhundertwende: Überall in Berlin, nahezu in jedem Bezirk, wurden St.-Michaels-Gemeinschaften gegründet, die Gottesdienste und Bibelstunden veranstalteten. Ganz bewusst wählte man nicht den Weg eine neue Kirche zu gründen, sondern unterstützte die Amtskirche in ihrer Seelsorge um die Menschen. Die Gemeinschaften St. Michael wurden eine Art „Freikirche“, jedoch innerhalb und nicht außerhalb der Evangelischen Landeskirchen. Man hatte also die gleichen Grundlagen, größtenteils das gleiche Liedgut und die gleichen Prinzipien wie die Landeskirche. Abgesehen davon gingen die St.-Michaels-Gemeinschaften als sogenannte „Landeskirchliche Gemeinschaften“ ihren eigenen Weg.


Das Alleinstellungsmerkmal dieser Gemeinschaften war, dass man dort nicht durch Geburt Mitglied wurde, sondern erst, nachdem man eine bewusste Zuwendung zu Gott getan und seine Mitgliedschaft als Erwachsener erklärt hatte.


Die Bewegung ging weiter, weit über Berlin und Brandenburg hinaus nach Pommern, Schlesien, Mecklenburg und Ostpreußen. 


St. Michael war und ist eine Laien-Bewegung, denn die Gemeinschaften wurden und werden in der Regel nicht von Theologen geleitet; vielmehr sind die Leiter der Gemeinschaften, Vereine und Arbeitsgruppen Menschen, die in einem weltlichen Beruf stehen und ihren Dienst in St. Michael im Ehrenamt versehen.


Es gab nun also Dutzende von Gemeinschaften und nur wenig theologisches Wissen bei den teilweise noch recht jungen Leitern. Das konnte nicht so bleiben. So entschied Graf Pückler, in der Schönwalder Straße ein Hospiz zu bauen, in das Gemeindeleiter von überall in Deutschland zur Schulung kommen sollten, damit sie geistlich gestärkt wieder zurückgehen und ihren Gemeinden dienen konnten. Dieses „Pückler-Hospiz“ ist heute das Hotel Graf Pückler.


Graf Pücklers Nachfolger in schwieriger Zeit


Graf Pückler starb 1924 nach einem sehr erfüllten Leben.

In seine Fußstapfen trat 1931 ein sehr begabter Prediger des Evangeliums, Pfarrer Karl Jakubski. Er und seine Familie hatten nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der deutsch-polnischen Spannungen ihre Heimat, die über Nacht polnisches Gebiet geworden war, verlassen müssen. Als evangelischer Pfarrer war er zuvor monatelang ohne Anklage in Haft genommen und misshandelt worden.


Etwa ein Jahrzehnt führte dieser Mann St. Michael und konsolidierte die Arbeit.


Mit der Machtübernahme Adolf Hitlers sollten die christlichen Gemeinschaften und Vereine unter einem Dach, dem Dach der politisch linientreuen Reichskirche, zusammengefasst werden. Zu wenige Christen sahen diese Entwicklung kritisch und auch St. Michael wurde ein Teil der Bewegung der sogenannten „Deutschen Christen“, ein Fehler, der unsere Gemeinschaft noch Jahrzehnte später beschäftigen sollte. Pfarrer Jakubski starb 1940 plötzlich und unerwartet und die Mutigen in der Gemeinschaft St. Michael erhielten wieder die Kontrolle über die verbliebenen Arbeiten, die noch von dem damaligen Regime gestattet wurden. Die Jugendarbeit aber beispielsweise war von der NSDAP vollständig aufgelöst und übernommen worden und Kinderstunden waren nur noch in privaten Bereichen möglich.


Der Krieg ging auch nicht spurlos an den Grundstücken der St.-Michaels-Gemeinschaften vorüber. Der große Gemeindesaal, der einstmals 1500 Menschen fassen konnte, fiel den Bomben ebenso zum Opfer wie das Vorderhaus in der Schönwalder Straße. Das Hotel wurde teilweise beschädigt, blieb aber in Betrieb.

Nachkriegsjahre

Das Grundstück (siehe Schraffur), das sich bis zur U-Bahnstation Reinickendorfer Straße und bis zur Panke erstreckt hatte, musste nach dem Krieg größtenteils veräußert werden, damit Geld für die Renovierung des Vorderhauses und für das Hotel zusammen kommen konnte. Der Vorraum des großen Gemeindesaals war erhalten geblieben und diente fortan als Gottesdienstraum für maximal 150 Besucher. Das genügte auch vorerst, denn die Gemeinde war durch den Krieg stark ausgedünnt worden. Die meisten leitenden Brüder waren im Krieg gefallen und ein großer Teil der verbliebenen Arbeiten wurden von deren Witwen oder von ledigen Frauen geleitet. Das war für St. Michael aber keine besondere Sache, denn Frauen spielten von Anfang an auch in der Leitung stets eine Rolle, da unsere Mitglieder durch das Studium der Bibel erkannt hatten, dass Gott beiden Geschlechtern gleich gute geistliche und organisatorische Fähigkeiten geschenkt hat und dass Menschen ungeachtet ihres Geschlechts ein Segen für andere Menschen sein können.


Durch die Teilung Berlins befanden sich die meisten St.-Michaels-Gemeinschaften nun im Gebiet der „Sowjetzone“ sowie in dem Teil Deutschlands, der nun unter „polnischer Verwaltung“ stand. Da sich die Zentrale der Gemeinschaften in der Schönwalder Straße, also in der französischen, nicht in der russischen Besatzungszone befand, konnten die Gemeinschaften im Osten nicht mehr als eine Union auftreten und schlossen sich dem neugegründeten Gemeinschaftswerk in der sowjetisch besetzten Zone an. Die in Polen liegenden Gemeinschaften wurden geschlossen oder polnischen evangelischen Freikirchen überlassen, worüber wir von St. Michael uns heute sehr freuen.


Graf Pücklers Vermächtnis

Unserem Namens- und Standortgeber Eduard Graf von Pückler lag die diakonische und missionarische Arbeit am Herzen und wir möchten sein Vermächtnis in seinem Sinne fortführen. Der Schwerpunkt unserer gemeinnützigen Arbeit liegt auch heute noch auf der Frage, wie man Menschen am besten das Evangelium von Jesus Christus nahebringen kann. 

Hierzu haben wir eine Arbeitsgemeinschaft mit dem internationalen Missionswerk „Jugend mit einer Mission“ (YWAM) gegründet, das sein Hauptquartier für Berlin und Umgebung auf unserem Grundstück errichtet hat. Unser Verein selbst unterhält eine missionarisch-diakonische Arbeit in Jerewan, der Hauptstadt Armeniens, dem ersten Land, welches das Christentum als Staatsreligion annahm, und trotzdem, wie alle Länder und alle Menschen, das Evangelium braucht. 


Außerdem ist St. Michael die Organisation, die ab 2020 jedes Jahr den „Eduard-Graf-von-Pückler-Preis“ für besonders gute Ideen für die Verbreitung des Evangeliums vergibt.


Damit es den von uns unterstützten ausländischen Mitarbeitern der gemeinnützigen Arbeiten sowie auch Mitarbeitern im Hotel mit internationaler Geschichte leichter fällt unsere Sprache zu lernen, bietet unser Verein einen selbst organisierten Deutschkurs an, in dem sie durch eine fachkundige Lehrerin unsere Sprache lernen können.


Auch die Arbeit von http://www.oteripedia.de, einem Geschichtsportal aus christlicher Sicht, das seit Jahren im Werden ist, gehört heute zu der Arbeit von St. Michael.


Unser Hotel Graf Pückler ist der Hauptsponsor all dieser Arbeiten. Und jeder Gast, der zu uns kommt, kann Gottes Wort lesen und auch – wenn er es wünscht – mit nach Hause nehmen. In jedem Nachttisch sollte ein Gast – wie in jedem ordentlichen Hotel – ein dreisprachiges Neues Testament (in deutsch, englisch und französisch) finden. Auch in anderen Sprachen halten wir für Interessierte ein Neues Testament bereit. Wenn eine bestimmte Sprache doch nicht am Lager ist, senden wir es Ihnen gern völlig kostenlos zu. Schreiben Sie uns bitte unter direktion@netteshotel.de unter Angabe der gewünschten Sprache.


Wasser des Lebens


Unser Hotel befindet sich im Unter-Ortsteil von Berlin-Mitte-Wedding-Gesundbrunnen. Hier gab es eine Quelle, an der auch der Große Kurfürst sich labte. Als Graf Pückler diesen Platz in der heutigen Schönwalder Straße erwarb, hatte er auch die Geschichte von Jesus auf dem Herzen, der versprach, seinen Nachfolgern ein Wasser zu geben, das so nachhaltig wirken sollte, sodass es sie nie wieder dürsten sollte, nämlich das „Wasser des ewigen Lebens“. 
Jeder Mensch sollte die Gelegenheit ergreifen, Jesus kennenzulernen. Die Geschichte mit dem biblischen „Gesundbrunnen“ können Sie im Neuen Testament im Johannesevangelium, Kapitel 4, nachlesen oder im Internet unter https://www.youtube.com/watch?v=pz4BFC1L9Yg als Film anschauen. Der Film dauert weniger als acht Minuten. Glauben Sie mir, es lohnt sich, da mal reinzuschauen.


Obwohl unser Hotel Graf Pückler einem christlichen Verein gehört, ist es doch ein vollkommen „normales“ Hotel. Wir hoffen und beten allerdings dafür, dass Sie bei Ihrem Aufenthalt in der Hauptstadt einen besonderen Segen Gottes erfahren und einen guten und erfolgreichen Aufenthalt haben werden.



Ihr Hellmut Hentschel

Vorsitzender des Geschäftsführenden Vereins der Christlichen Gemeinschaften St. Michael zu Berlin e.V. (CEO)



P.S. Wenn Sie mehr über unsere Geschichte lesen möchten und viel Zeit haben, dann lade ich Sie ein, unsere Geschichte der Christlichen Gemeinschaften St. Michael im Internet zu lesen. Unter der Adresse direktion@netteshotel.de versuche ich auch gern alle Ihre Fragen zu beantworten.